So tickt YouTube fing an mit der simplen Frage nach „jugendlichem Medienkonsum und Generation YouTube“. Am Anfang belächelte ich das Thema noch, als ich dann aber anfing zu recherchieren stieg mein Interesse im Hinblick auf gewisse Aspekte.
Einerseits hat sich gesellschaftlich einiges geändert, damit YouTube dort steht wo es heute ist. Viele andere Bereiche entwickelten sich ebenfalls weiter, nicht zuletzt unsere Technik.

Wir scheinen eine gesellschaftliche Kluft zu haben zwischen unseren jüngeren Medienkonsumenten und den Älteren. Nicht nur, dass wir die Jugendlichen nicht verstehen, sondern es scheint auch so als würden Millenials, Generation Y und Hipster Medien so andersartig konsumieren, dass sich viele fragen ob ihr (Medien-)Business in so einer Welt überhaupt Bestand haben kann.

Die grosse Idee die hinter So tickt YouTube steht, ist diese Kluft zu verringern. Das ist der Grund warum diese Präsentation didaktisch, optisch und inhaltlich so aufgebaut ist, wie sie es ist. Damit die ältere Generation wirklich versteht müssen die Gedanken der jungen Leute den älteren durch Mark und Bein gehen. Es muss auf einer emotionalen Ebene verstanden werden, erst dann können wir wieder eine Beziehung zueinander aufbauen. Erst wenn auf einer emotionalen Ebene verstanden worden ist, wie YouTube tickt, kann man es auch verstehen.

Slides

Storytelling

Wie versuche ich das zu machen? Im Storytelling sind Emotionen wie etwa Schock, Freude und Mitleid gebräuchlich. Wie unsere Hirnforschung zeigt, sind Emotionen wichtig beim lernen. Denn wenn wir etwas gelerntes mit einer Emotion verknüpfen, können wir diese Information leichter wieder abrufen – sie wird besser verstanden. Didaktisch vertrete ich die Ansicht, dass Humor ein probates Mittel ist um die illustrierten Information mit einer Emotion zu verknüpfen. Bei So tickt YouTube habe ich mich jedoch auch dazu entschieden Schock bzw. Angst zu benutzen. (Ich bin an manchen Stellen auch schlichtweg dreist, anmassend und respektlos, das nur nebenbei.)

Mich hinzustellen und so zu tun als wäre das kleine YouTube Sternchen grösser als VIVA. Das ist doch wahrhaftig frech, nicht?

Wer gut aufgepasst hat, wird festgestellt haben, dass So tickt YouTube aus vielen kleinen Geschichten aufgebaut ist. Da gibt es beispielsweise den österreichischen Freund mit der Chart-Sammlung, die Geschichten diverser Leute aus dem Umfeld und ihre gut gemeinten Ratschläge zur Verbesserung der Präsentation, und nicht zuletzt die Geschichte um Sami Slimani und VIVA.
Warum ich das mache ist ganz einfach. Wer Videos machen möchte, der muss Stories erzählen. Was ich gemacht ist ganz ganz einfaches simples Storytelling. Jeder der Videos professionell macht wird euch das bestätigen, es geht darum eine Geschichte zu erzählen. Storytelling im Vertrieb ist wichtig geworden. Neukunden haben häufig das Problem, dass sie keine guten Stories (er)finden können, welche sie erzählen möchten. Es muss an So tickt YouTube klar werden wie man Geschichten erzählt, bzw. das man über alles nette kleine Geschichten erzählen kann. Denn wenn meine Kunden gehen, ist ihnen bewusst, dass Firmen nicht langweilig sind.

So tickt YouTube soll von meiner schauspielerischen Darbietung unterschwellig vermitteln wie die Generation YouTube tickt.

Effekthascherei und Emotionen

Zurück zu den Emotionen. Um die Aufmerksamkeit immer wieder auf die Präsentation zu ziehen, habe ich mich irgendwann dazu entschieden bayrische Begriffe zu benutzen. Schwaben können alles, ausser Hochdeutsch, aber definitiv kein bayrisch. Wenn ich hier mit jemanden bayrisch rede, dann wird das als aussergewöhnlich eingestuft und eignet sich deshalb perfekt für So tickt YouTube.

Gleich zu Beginn habe ich mein gemischtes Publikum mit einem herzlichen „Griassz eich!“ begrüsst. Es heisst man soll mit kalkulierten Risiken arbeiten. Hier hatte ich mir ausgedacht, dass man mich aufgrund der Anmassung gleich von der Bühne zerren könnte, oder aber es würde nichts passieren und die Leute würden nur verstehen „Hoppla, wo bin ich denn hier gelandet?“. Nun, ich durfte bis zum Ende durch referieren. Ich habe beispielsweise den Podcast der Sendung mit der Maus als „deppert“ bezeichnet. Einfach nur um immer wieder die Aufmerksamkeit auf die Präsentation zu lenken. Ganz zum Schluss sagte ich „a sackrisch guater Produzent“. Nach einer kurzen Internet Recherche kam heraus, dass mir wohl auch hier nichts passieren wird. Es ist nicht gesetzlich verboten einen solchen Fluch auszusprechen, sondern das schlimmste was mir passieren kann ist, dass sich ein paar Leute auf den Fuss getreten fühlen. Damit kann ich leben.

Im Grunde genommen habe ich eine Rolle eingenommen. Die eines bayrischen supermodernen jungen spritzigen, und auch teilweise respektlosen, Erwachsenen der die Probleme der alten Leute gar nicht versteht.

Zur Effekthascherei habe ich mich also für diese Rolle entschieden. Wer mich persönlich kennt weiss, dass ich nicht respektlos bin. Aber Respekt hat nichts mit du oder sie zu tun, zumindest nicht in Bayern – und da komme ich schliesslich her. Da ich den Dialekt perfekt beherrsche, kann ich ihn auch als Stilmittel benutzen. Ich versuche mir manchmal Michael Mittermeier vorzustellen.

Mimik, Gestik, Körpersprache. All das war auf eine imaginäre Rolle ausgelegt. Ich brauche diesen Level an Präsentationstechnik manchmal einfach. Wie man auf Englisch sagen würde: „I’m getting a kick out of it“. Den Kick hole ich mir manchmal einfach gerne. Ich brauche das, um diesen Skill weiter aufzubauen.
Habe ich die allerbeste Präsentation gegeben? Nein, natürlich nicht. War die Darbietung perfekt? Nein, ebenfalls nicht. Habe ich das meiste rausgeholt was ich aktuell kann? Ziemlich. Habe ich Dinge zu bemängeln? Selbstverständlich.

Slide Design

Ich mache Präsentations- und Erklärvideos beruflich. Was ich also mache, ist mich damit auseinanderzusetzen, wie man komplizierte Sachverhalte einfach darstellt, so das sie jeder versteht. Eine animierte Infografik sozusagen. Nun, da ich das beruflich mache, bin ich um jede Präsentation froh, bei der ich mich auch mal wieder selbst kreativ austoben kann.

Um nochmal auf den Kick zu kommen: es macht schon Spass so ein grosses kompliziertes Thema auch optisch so aufzubereiten, dass mein Publikum es versteht.

Selbst das Slide Design muss aussagen wie modern YouTube ist. Sie muss sich soweit vom Status Quo der in Firmen, und anderen auf der Social Media Night, vorkommenden Präsentationen abheben, damit auch optisch klar wird, wie weit weg die junge Generation ist, damit der Handlungsbedarf deutlich wird.

„Wo bin ich denn hier gelandet?“. Spätestens nach dem fünften Folien-füllenden Titel sollte das klar geworden sein. Es geht um eine moderne Zeit. Ich wollte einen Stilbruch erzwingen zu den anderen Präsentationen.

Habe ich das geschafft?

Was habe ich also design-mässig gemacht? Geklau… also inspirieren lassen habe ich mich sehr viel von Deckset beziehungsweise Remark und reveal.js. Sehr moderne Tools, die forcieren minimalen Text auf einer einzigen Folie zu haben und den Text möglichst gross darstellen. Deckset gefiel mir ausserordentlich gut, jedoch wollte ich mehr optische Gestaltungsmöglichkeiten haben und bin letztendlich doch wieder bei Keynote gelandet.

In Keynote habe ich mir noch dutzende weitere Präsentations-Vorlagen angesehen, doch keine beeindruckten mich so wie die von Deckset. Grosse dicke Schrift. Das sah so gut aus, dass ich es für So tickt YouTube haben wollte. Lange Rede kurzer Sinn. Ich habe mir kurzerhand mein eigenes Template erstellt.

Um YouTube einen weiteren Tribut zu zollen, ist die Farbe Grau, welche den Folien-Hintergrund schmückt, das gleiche Grau, welches auch bei YouTube den Hintergrund schmückt. Ein simples, jedoch sehr schönes, #EDEDED. Das sind natürlich nur Dinge die mir klar sind, beziehungsweise wirklichen Design-Nerds.

Der Slide auf dem stand „Wer ist VIVA?“, beinhaltete extra die komplette Frage noch einmal. Aus Vorläufen weiss ich, dass dies der kontroverseste Slide ist. Deshalb habe ich ihn optisch so gestaltet, dass wenn man ihn auf Social Media teilt, der Slide in sich stimmig ist und Sinn ergibt.

Mit So tickt YouTube will ich moderne Internet-Kultur erklären. Etwas das der Internet-Kultur inne wohnt sind Memes. Sie spriessen auf Imgur geradezu aus dem Boden, bunte GIF’s sind der letzte Schrei. Dem wollte ich natürlich auch designtechnisch Tribut zollen.

Vielleicht sind euch schon mal irgendwo diese lustigen Keep Calm and Carry On Bilder aufgefallen. Die Schriftart welche die grossen Überschriften auf nahezu jeder Folie zieren? Darf ich vorstellen, das ist die Keep Calm.

Eine zweite Schrift kommt ebenfalls vor. Ich wollte noch eine kleine serifenlose Schrift, beispielsweise für Fussnoten. Etwas schlankes, schnörkelloses, unkompliziertes, jedoch eine Schrift die nur echten Computer-Nerds, nicht nur Design-Nerds, Tränen in die Augen treibt. Wer seine Abschlussarbeit mit LaTeX geschrieben hat, kennt vielleicht TeXLive. Moderne LaTeX Installationen enthalten ein paar optisch schöne Fonts, wie zum Beispiel TeX Gyre Adventor.

So tickt YouTube ist auch optisch eine Hommage an das Internet.

Ich kann es nur noch einmal wiederholen: mein Ziel war es durch die Präsentation zu erklären wie YouTube funktioniert.

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